So oder so.

Gestern hab ich meinen Papa, der am Rande der Lüneburger Heide wohnt, besucht. Und auf dem Weg dahin bin ich „über Land“ gefahren. War zwar zeitlich genauso lang, wie der Stau, der auf der Autobahn auf mich wartete, aber wesentlich schöner.

Und als ich da bei strahlendem Sonnenschein über die niedersächsischen Dörfer fuhr, wurde mir mal wieder sehr der Unterschied von Heimat und Zuhause bewusst. Ich wohne nur ein paar Kilometer von der Heimat entfernt, aber schon in Nordrhein-Westfalen und es erstaunt mich immer wieder, wie sehr ich das unterscheide.

Die typisch niedersächsischen Bauernhäuser, das immer platter werdende Land, die „Begrüßungen“ am Ortseingang (Leeve Lüüd, föhrd langsam!) und riesige Windräder, all das hab ich auf der Fahrt in mich aufgesogen.

Dort, wo ich lebe, fühle ich mich wohl. Ich bin angekommen, im Dörfchen am Rande der westfälischen Stadt. Hier möchte ich alt werden und mit meiner kleinen Familie ein schönes Leben führen. Unser Haus steht hier genau richtig.

Aber meine Heimat wird immer Niedersachsen, vor allem das Schaumburger Land, sein.

So ist das eben mit Zuhause und Heimat.

Der Pullover.

Frau Ami hat die Geschichte ihrer Strickjacke erzählt und ein kleines Stöckchen draus gemacht. Das nehm ich mir gerne mit und möchte die Geschichte meines beigefarbenen Rollkragenpullovers erzählen.

Der Pullover ist aus dünnem Strickgarn komplett mit einem schmalen Zopfmuster gestrickt und hat einen riesigen Rollkragen. Ok, ganz so riesig ist er nicht mehr, vor ca. 10 Jahren hab ich ihn ein bisschen kürzen lassen. Das gute Stück begleitet mich nämlich schon seit dem 31.12.1994 und allein das macht ihn heute zu meinem Lieblingspullover, denn man sieht ihm seine Jahre wirklich nicht an. Er müffelt nicht, er ribbelt nicht auf und er ist – worauf ich bei meinen Klamotten fast ausschliesslich achte – zeitlos.

Sicherlich hat mich der Pullover in den letzten 15 Jahren in vielen Momenten begleitet, aber das Interessante ist eher, wie es zum Kauf kam.

In diesem Dezember 1994 war ich ganz schön verknallt. In einen Mann, der, hmm, na sagen wir mal, er war sich seiner Wirkung auf Frauen bewusst. Umso stolzer war ich, dass ich seit Anfang Dezember sagen konnte „Meiner“. Am Tag vor Silvester (ein Freitag) war ich dann mit einer Freundin in unserer Stammdisco (er war bei der Bundeswehr und kam erst in der Nacht sehr spät vom weit entfernten Dienst nach Hause). Wir standen bei einem leckeren Getränk an der Theke, als plötzlich eine Frau auf mich zu kam und meinte „Sag mal, ich hab gehört, Du bist ständig mit meinem Freund unterwegs, was wird das denn, wenn es fertig ist?“ Ich war völlig verdattert und glücklicherweise sind wir uns nicht gegenseitig nicht an die Gurgel gesprungen, sondern haben uns ganz in Ruhe unterhalten. Und dabei ist herausgekommen, dass wir quasi zeitgleich mit ihm zusammen waren und er ganz klassisch zweigleisig gefahren ist. Da wir aus verschiedenen Orten kamen, die 20 km voneinander entfernt liegen, haben wir nix mitbekommen. Tja, und wie Frauen so sind, da wurde jetzt ein Plan geschmiedet, wie wir den Herrn mal schön auflaufen lassen. Irgendwie war auch keine von uns sonderlich traurig, wir wussten wohl, warum.

Wir verabredeten uns für den Silvestermorgen zum Frühstück in der Stadt und wollten ihm danach einen Besuch abstatten. Nach dem Frühstück bummelten wir noch ein wenig und dabei habe ich dann in einem Geschäft (es war tatsächlich o.rs.ay, ein Laden den ich schon seit Jahren nicht mehr betrete…) DEN Pullover gesehen. Meine „Leidensgenossin“ hielt ihn mir vor die Nase und meinte sofort „Guck mal, den könnt ich mir voll gut für dich vorstellen!“ Anprobiert, passt, kaufen, tschüß. Als wir draußen waren, meinte sie noch „Siehste, so hat das ganze doch noch was gutes und du denkst immer, wenn du den Pulli in die Hand nimmst, an unsere doch irgendwie skurrile Situation und unseren Shoppingbummel.“

Anschliessend sind wir dann zu dem netten Herren gefahren und da er wirklich erst sehr früh am Morgen zu Hause war, schlief er noch, als wir mittags da waren. Seine Mutter öffnete uns und grinste nur. Wir gingen in sein Zimmer, stellen uns vor sein Bett und brüllten „Aufwachen!!!“. DAS Gesicht, als er uns beide erkannte, war dann wirklich fantastisch. 😈 Abgeschossen haben wir ihn natürlich beide, sie heiratete einen anderen ein gutes Jahr später und ich lernte ein Jahr danach meinen heutigen Angetrauten kennen. 🙂

Und was soll ich sagen – sie hatte recht mit dem „daran denken“. Ich hätte nie geglaubt, dass der Pulli so lange überlebt, aber immer, wenn ich ihn anziehe, fällt mir die Geschichte seines Kaufes ein. Leider haben die Leidensgenossin und ich uns im Laufe der Jahre aus den Augen verloren, aber ich bin mir sicher, wenn wir uns mal wieder begegnen, fragt sie nach dem Pulli. 😉