14. April
Ja, der gestrige Feierabend war wirklich geprägt von Höhen und Tiefen. Aber von vorn.
Um 17.15 Uhr hatte ich den Termin für die Feindiagnostik. Da saßen (ich lag natürlich) wir nun, der Gatte und ich, im abgedunkelten Raum vor dem riesigen Flachbildschirm an der Wand und bewunderten dieses kleine Wunder – unser Kind. Wir sahen und hörten das Herz schlagen, alles, was da sein muss, ist da und es war einfach nur schön, vom Arzt die Worte “ich hab da keinen Grund zur Klage” zu hören. Der Arzt war sowieso klasse. Hier zwei Kostproben seiner Kommentare: “Das Kleinhirn ist gut ausgebildet, Klavier spielen kann es also, ich kann nur noch nicht sagen, wie gut.” oder “Zwei Ohren hat es auch, somit fällt DIE Ausrede schon mal weg, wenn es mal nicht hören will.” Wirklich sehr sympathisch, war eine tolle Atmosphäre. Am Schluß bekamen wir ein schönes “Passbild” im Profil (nicht in 3 D, aber nicht weniger schön
) und fuhren glücklich wieder nach Hause.
Der Gatte freute sich, dass es nicht so spät geworden war und er somit noch zu seiner wöchentlichen Fußball-Runde fahren konnte. Ich rief ihm noch das obligatorische “sei vorsichtig” hinterher und nachdem ich noch ein bisschen mit Shreki telefoniert hatte, machte ich mir was zum Abendessen.
Ich hatte gerade angefangen, zu essen, als das Telefon klingelte mit einer mir unbekannten Nummer, die sehr nach Callcenter aussah. Zum Glück bin ich trotzdem ran gegangen, am anderen Ende war der Gatte mit den Worten “Hol mich mal bitte ab, ich hab den Ball auf´s Auge bekommen, ich seh nichts mehr.” Na danke, das ist genau das, was man nicht hören will. Ich also los und ihn abgeholt und direkt ins Klinikum gefahren.
Jahaaa, das schöne neue Klinikum, mit allen Fachabteilungen unter einem Dach, da wird einem geholfen. Sollte man meinen. Den ironischen Unterton darf man sich hier gern dazu denken. Aber weiter im Text.
Wir gehen also zur Info, an der man uns in die Notaufnahme schickt, nachdem der Gatte erklärt hat, was passiert ist. Dort werden wir nach Vortragen unseres Anliegens entgeistert angeguckt, nach dem Motto “Und was wollen Sie dann HIER?” und bekommen eine 0180er Telefonnummer vom augenärztlichen Notdienst (die man uns übrigens an der Info schon hätte geben sollen…). Gibt ja keine Augenklinik innerhalb des Klinikums, neeeeein. Da kommt man wohl nur hin, wenn man das Auge schon in der Hand hat. (Sorry, aber da kriegt man echt zu viel…) Als wir wieder rausgehen, sag ich noch im Spaß “Pass auf und der erzählt uns gleich, dass wir irgendwo in die Pampa fahren müssen.” Hätt ich man den Mund gehalten. Der nette Mensch erzählte uns dann nämlich, dass wir nach Herford fahren müssten. Das ist zwar nicht Pampa, aber von uns aus mal eben geschmeidige 30 km über die – ja immer so schön wenig befahrene – A2. Wir waren beide geladen. Aber was nutzt es, wir wollten ja schnelle Hilfe und hatten keine Lust auf langwierige Diskussionen im Klinikum, also ab auf die Autobahn. Die halbstündige Fahrt hatte zumindest den Vorteil, dass der Gatte immer besser sehen konnte. Zum Glück.
Der sehr nette Augenarzt stellte dann eine Augapfelprellung fest und konnte sonst keine weiteren Verletzungen entdecken. Das muss er nun mit Tropfen behandeln und nächsten Montag dann noch mal hier zum Augenarzt.
Im Nachhinein sind wir natürlich froh, dass alles so gut ausgegangen ist, aber der, der sich diese bescheuerte Notdienstregelung ausgedacht hat, kann echt nicht ganz dicht sein. Wir wohnen in einer – gemeinhin als “Mittelstadt” bezeichneten – Stadt mit 83.000 Einwohnern mit 6 Augenarzt-Praxen und einer Augenklinik. Und werden dann in eine 30 km entfernte Stadt geschickt, die noch dazu zu einem ganz anderen Kreisgebiet gehört. Als wir die Schwiegereltern anriefen, um Entwarnung zu geben, dachten die, wir wollten sie veräppeln, als wir sagten, wo wir sind. Das ist echt unglaublich. Armes Deutschland.
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